Windows 8, Unity, Usability und die wirklichen Nutzer

Auch ich habe mir in den letzten Tagen öfter mal die Zeit genommen, und dem älteren Herren zugesehen, der momentan auf Youtube fast zum Star wird. Eigentlich macht er gar nichts: Er bekommt ein modernes Betriebssystem vorgesetzt und soll es einfach nutzen. Dabei kann man super sehen, wie der Mann das Gesehene analysiert. Zudem beschreibt er immer schön, was er zu sehen glaubt.

Windows 8 – erschreckend

In Windows 8 verläuft er sich in den traditionellen Desktop, findet das wegrationalisierte Startmenü nicht mehr und kommt deswegen nicht mehr weg – sein Urteil, dass das ja wohl noch nicht fertig sei, kann man da nur mithoffen.

Unity und die Sache mit dem Ausblenden und Verstecken…

Mit Ubuntus Unity scheint es einigermaßen zu klappen. Hier verwirren ihn vor allem die Workspaces. Ein Konzept, dass dem normalen Nutzer einfach gar nicht bekannt ist. Dementsprechend verläuft er sich darin.

Was ich daraus mitnehme: Popup, Overlays und ausgeblendete Elemente in jeder Form sind potentiell gefährlich. Viele Nutzer verstehen nicht, dass eine Seitenliste aufklappt wenn man die Maus an den Bildrand bewegt oder erschrecken sich sogar und haben Angst, etwas kaputt zu machen. Zudem muss man wissen, dass eine Funktion irgendwo ist. Das ist bei neuen Nutzern nicht der Fall.

Canonical will die ausgeblendeten Global Menus ja dadurch hervorheben, dass sie zunächst kurz angezeigt und dann erst ausgeblendet werden. Ich halte das für unnütz, ja sogar kontraproduktiv. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein neuer Nutzer gerade in der kurzen Zeit genau auf den kleinen Teil des Bildschirms guckt, ist äußerst gering. Wenn er aber bemerkt, dass sich ohne sein zutun an einer anderen Ecke etwas ändert, so verunsichert das nur. Es ist schon lustig: In einem oder zwei Releases hat man in Unity alles minifiziert und versteckt. Ich bin mal gespannt wie lange es dauern wird, bis man das alles so hin bekommt, dass es der normale Nutzer auch versteht.

Die Videos

Valentin hat die drei Videos in einem Picomol-Artikel zusammengefasst: Video: Mein erster Kontakt mit Windows 8/Mac OSX/Ubuntu. Hat man was mit Oberflächenentwicklung zu tun, sollte man sich die Zeit nehmen.

4 thoughts to “Windows 8, Unity, Usability und die wirklichen Nutzer”

  1. Habe mir die drei Videos mal angesehen. Fands wirklich interessant. Beim ersten Video habe ich mir noch gedacht, dass er einfach nur in sein WinXP eingfahren ist und nicht mit neuem klar kommt. Habe da meine Eltern gesehen.

    Dann das Mac OS X Video. Das hat mich dann doch ein wenig vom Hocker gehaun. Was er da alles gefunden hat und wie leicht er sich dann doch zu helfen wusste. Die meisten Schlussfolgerungen waren auch richtig. Er sagte zwar, dass er ein paar Apps durch seine iPhone/iPad-Nutzung wiedererkannt hat, aber das gleiche müsste man ja auch von Windows behaupten können, da er XP und 7 vorher lange genutzt hat. Das heißt also, dass Apple da doch einiges richtig gemacht hat.

    Das Ubuntu-Video fand ich ein wenig enttäuschend. Ich finde, nachdem er da echt ne viertel Stunde mit den virtuellen Desktops nicht klar gekommen ist, und immer wieder dachte, sie würde den Desktop aufteilen und nicht vervielfältigen, hätte man ihn aufklären können, damit er noch ein paar mehr Features versucht zu entdecken.

    Unity muss einfach noch intuitiver gestaltet werden. Und diese verschwindenden Elemente sind wirklich verwirrend für Leute, die davon noch keine Ahnung haben. Ist wohl wirklich auf Platz optimiert, gerade bei kleinen Bildschirmen ala Netbook und Laptop. Wäre interessant zu sehen, wie er auf ein gut eingerichtetes Gnome 3 mit Gnome Shell reagiert hätte.

    Was mir nebenbei wieder mal aufgefallen ist, was mir schon dachte, als ich mir das letzte mal Ubuntu installiert hatte: es sieht zu düster aus. Besonders dieses Hintergrundbild macht ja fast schon depressiv. Es ist irgendwie so dunkel/blass-bunt in der Mitte und wird immer verschleierter zum Rand. Dazu kommt noch das weiß auf grau bzgl. der Menüs und Fenster.

    1. Bei Apple denke ich aber auch, dass die die momentanen Komplettumstellungen ja auch (noch) nicht gemacht haben. Am Desktop führen die neue Konzepte ja doch eher vorsichtig ein. Auf den neuen Geräten (Telefon und Brett) recht revolutionär und dann sehen, welche Konzepte wirklich gut funktionieren und auf dem Standardrechner sinnvoll erscheinen. Und vermutlich ist genau das der richtige Weg.

      Über Unity hatten wir ja schon gesprochen: Vor allem die Workspaces sind dem normalen Nutzer als Konzept nicht bekannt. Insofern wäre hier eine Optional-und-zunächst-deaktiviert-Lösung der richtige Ansatz. Aber wenn die mal ganz wegrationalisiert werden raste ich aus 😉

      Ich finde den Ubuntu-Desktop mittlerweile absolut stimmig. Vor allem die Farbwirkung ist in meinen Augen super gelungen. Die Töne sind vor allem sehr warm – etwas, das mich an Windows sehr stört. Mag komisch klingen, aber ich finde das Default-Theme regelrecht ungemütlich.

      Zu dunkel ist es mir persönlich auch nicht. Aber das kann man so oder so sehen. Ich glaube auch gesehen zu haben, dass man für 12.04 wieder mit hellen Kontextmenüs experimentiert hat. Mal sehen. Zudem gibt es mit Radiance ja extra eine helle Variante.

      Hier: „This is on purpose: clear menus when there are contextual, dark menus when they’re global. I’m making this a duplicate of bug 925895, please see it.“ https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/light-themes/+bug/944691

  2. Dies ist Unity2D unter Ubuntu 11.10! Hier hat sich mitlerweile einiges getan.

    Es sind etliche Usability Features in der 2D-Version (noch) nicht vorhanden und die Bedienung der oberen Menüleiste ist durch Parallels stark eingeschränkt.

    Das nur am Rande.

    1. Nun, 11.10 ist die aktuellste Version und Unity 2D ist genau das, was Canonical dir vorsetzt, wenn du keine 3D-Beschleunigung hast. In meinen Augen ein völlig fairer Test, dem sich Ubuntu hier stellen muss (sogar unfair, da von Windows ja nur durch eine Betaversion vertreten wurde). Canonical geht hier in meinen Augen den völlig falschen Weg (genau wie Gnome). 2D-Fallbacks sind von Anfang an zur stiefmütterlichen Behandlung verdammt. Von KDE und Windows 7 weiß ich, dass die das vernünftig lösen. Da fliegen ohne 3D-Unterstützung nur die Effekte weg. Und auch wenn darunter einige zweckdienliche und angenehme Effekte sein mögen, verliert man wenigstens keine oder nur minimale Funktionalität.

      Probleme mit einem Parallels-Menü sind mir gar nicht aufgefallen. Wo treten die auf? (Ach doch, jetzt, das helle, das oben manchmal aufpoppt. Okay, das ist zusätzlich irritierend…)

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