Mundhygiene: „Weisser“ als weiß

Für viele Leute sind ein strahlendes Lächeln und weiße Zähne äußerst wichtig. Fast schon ironisch wirkt es da, dass es kaum Zahncremes und andere Mundhygieneartikel gibt, die weiße Zähne versprechen: Die Industrie betont stattdessen ein strahlendes „Weiss“. Schweizkonforme Internationalisierung der deutschen Sprache oder einfach nur Zahnpasta im Kopf? Mein Beitrag zu Georgs Artikel über Eszettsünder.

Weiß und Eszett

Die entsprechende Regel finden wir im Duden als Regel K 159:

1. Für den stimmlosen s-Laut nach langem Vokal oder Doppellaut (Diphthong) schreibt man ß.

Duden Band 1, Die deutsche Rechtschreibung;
23. Auflage, Dudenverlag 2004

Das Eszettproblem in Weiß ist etwas komplizierter als bei den meisten anderen Vertretern: Die Regel des langen Vokals funktioniert hier nicht (vgl. Schloss, Schoß): Ei klingt wie alle Doppellaute immer gleich lang. Daher gilt hier die einfache Regel, dass immer ß zu schreiben ist. Es ist somit zwar eine zusätzliche Regel, aber eben auch eine äußerst einfache.

Übrigens ist diese Schreibweise auch keine Neuigkeit, wie dieser Ausschnitt aus einem Duden des VEB Bibliographisches Institut Leipzig aus dem Jahr 1969 zeigt:

Trotzdem nur „weisse Zähne“

Auf Zahncremepackungen und vergleichbaren Produkten ist mir schon immer aufgefallen, dass hier fast flächendeckend falsch geschrieben wird. Mein Griff in den mir derzeit zur Verfügung stehenden Badschrank zeigte folgende Produkte (leider sind die Bilder nicht so schön geworden, ich bitte dies zu entschuldigen):

Wer gar keine Ahnung hat schreibt es einfach in anderen Sprachen…

… und macht es auf der Rückseite doch noch falsch:

„Für strahlend weisse Zähne“...

Peinlich: Jeder Drittklässler hätte hier vermutlich helfen können. Kann es wirklich sein, dass etwas in Druck geht, das nur von Menschen mit fundamentalen Sprachschwächen entworfen und abgesegnet wurde?

Verschwörung aus der Schweiz?

Oder sind vielleicht die Schweizer schuld? Diese haben sich in dieser Frage bekanntlich schon lange von Logik und ß verabschiedet. Möchte man unsere Nachbarn vor dem Anblick eines Buchstabens bewahren, den es gar nicht gibt? Oder haben die Schweizer das Mundhygienemonopol? Ein genauerer Blickt gibt Entwarnung: Das ß scheint den Herstellern nicht gänzlich unbekannt zu sein:

Regelmäßig. Immerhin.

Technische Probleme?

Auch die anderen Gründe, die mir einfallen, wären nicht gerade schmeichelhaft: Technische Beschränkungen wie etwa eine speziell entwickelte Schriftart, die kein ß kennt, sollten heutzutage und insbesondere für Großunternehmen kein Thema sein. Und eine Werbestrategie kann auch nur funktionieren, wenn man sich damit von der Konkurrenz absetzt.

Einfach mal fragen

Eigentlich könnte man denen ja einfach mal eine E-Mail schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

schon seit langer Zeit wundere ich mich, dass Produkte Ihres Konzerns (z.B. PRODUKTNAME) vergleichsweise groß und aggressiv mit Wörtern wie „Weiss“ statt Weiß in verschiedenen Beugungen werben. Wie viele andere Menschen frage ich mich, wie es an so prominenter Stelle zu solch eklatanten Eszettfehlern kommen kann.

Große Konzerne mit weit verbreiteten Produkten haben diesbezüglich eine besondere Verantwortung, da solche Fehler viele Menschen erreichen, sich bei diesen einprägen und so die deutsche Rechtschreibung nachhaltig schädigen.

Ich habe diesem Problem einen Blog-Artikel gewidmet und würde mich sehr über eine Stellungnahme freuen. Sollten Sie meine Anfrage ignorieren oder eine Veröffentlichung Ihrer Antwort ablehnen, werde ich diese Tatsache im genannten Blog erwähnen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ich denke aber, dass ich es lieber bleiben lasse. Im Internet ist die Wahrscheinlichkeit für nichts verklagt zu werden schon groß genug, da muss man das nicht noch provozieren…

3 thoughts to “Mundhygiene: „Weisser“ als weiß”

  1. Du Feigling!

    Sobald ich mal wieder dazu Lust habe, werde ich die E-Mails schreiben. Das mit dem Blog kann man ja auch weglassen.

    Heute habe ich noch Bilder von den Kästen im Rewe aufgenommen. Dort hat sich ein Mitarbeiter über meinen Hinweis zum fehlenden ß bedankt. Der Artikel kommt also bald.

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