Windows 8: Der neue Windows Explorer

Ein Kurzbesuch in Microsofts Windows 8 hat in mir einige Zweifel aufgeworfen. Alles wirkt, als wollte man in ganz kurzer Zeit ganz viele Ideen in ein einziges Konzept quetschen. Alles dreht sich immer um Metro, ich habe mir hingegen mal den Dateimanager  Windows Explorer angeguckt.

Fast hätte ich mich heute über Gnomes Nautilus lustig gemacht, da dieser nach einer erneuten Verschlankung nur noch gefühlte drei Schaltflächen hat. Guckt man sich mal Windows an, weiß man allerdings warum.

Windows Explorer der Windows 8 Release Preview

Fragliche Icons für den Fensterrahmen

Faszinierend ist schon der Fensterrahmen: Icon, Überschrift und Fenstersteuerungsknöpfe ist man gewohnt. Um diesen Wiedererkennungswert zu minimieren, hat Microsoft einfach weitere Symbole eingefügt: Ein weißes Blatt mit Häkchen und ein geöffneter Ordner. Grandios gewählte Metaphern für „Eigenschaften des ausgewählten Elements“ und „Neuer Ordner“. Hat schon mal jemand ein Icon für die Eigenschaften gesehen? Oder gar gebraucht? Früher war es mal im Kontextmenü des Elements, jetzt ist es außerhalb des Programms.

Die Menüzeile und der vermisste Startknopf

Die Menüzeile mit „Datei“, „Start“, „Freigeben“ und „Ansicht“ ist nicht besser. Datei leuchtet blau, als wäre es ausgewählt und aktiviert, was jedoch nicht der Fall ist. Es lässt sich anklicken wie alle anderen auch. Warum es farblich derart rausfallen muss ist fraglich. Kritische Menüpunkte wie „Verlauf löschen“ rechtfertigen es jedenfalls nicht.

Nachdem Windows 8 ja nun keinen Startknopf mehr hat, war ich schon fast froh einen solchen Punkt im Explorer zu finden. Doch welche Funktionen soll der Nutzer dahinter erwarten? Als Linuxer hatte ich auf ein „Im Terminal ausführen“ gehofft. Stattdessen sind es „Kopieren“, „Umbenennen, „Alles auswählen“ und die üblichen Verdächtigen. So ziemlich alles, was ich nicht hinter „Start“ erwarten würde.

Konsequent inkonsequent

Überhaupt wirkt alles sehr durchwachsen und konzeptlos zusammengewürfelt. Allein im Anwendungskopf sind drei Symbolleisten untergebracht:

Im Fensterrahmen, in der Menüzeile (im Bild das aufgeklappte Verwalten) und in der Adresszeile soll man sich seine Funktionen zusammensuchen. Die Menüzeile ist ein besonderer Spaß: Knallbunte Symbole in völlig unterschiedlichen Größen sind willkürlich mal unter-, mal nebeneinander zusammengewürfelt. Gern würde ich mal die Zickzacklinie einer Blickrichtungsanalyse sehen. Da wirkt es nur konsequent, dass die Symbole der Menüzeile manchmal als Overlay über der Adresszeile und beim nächsten mal platzverbrauchend dazwischen liegen.

Interessant auch, dass der Menüpunkt Datei eine gänzlich andere Struktur hat, als seine Nachbarn. Wie im zweite Bild von oben zu sehen werden dort vergleichsweise traditionelle Listen verwendet. Vermutlich ist jemanden eingefallen, dass Menschen diese gut erfassen können.

Wie man im letzten Screenshot sieht, hat man noch was in die Fensterdekoration gepackt (da war schließlich noch Platz): Ein rosa Ding, beschriftet mit „Bibliothektools“. Das hat keinen Tooltip und nach einem Klick passiert… nichts. Bibliothektools eben, ist ja auch selbsterklärend… ??!???!?

Ich bin ein PC und Windows 8 war ’ne Scheißidee…

Copy and Paste geht auch im neusten Windows Explorer. Sogar mit alt bekannten Tastenkürzeln. Verwirrend finde ich jedoch die Richtung, in die sich das Programm entwickelt: Professionelle Anwender wird man mit dem bunten Schlamassel kaum locken und unerfahrene Nutzer werden gesuchte Funktionen nur schwer finden.

Der Windows Explorer passt daher gut zu Windows 8: Anforderungsanalyse sollen doch die Typen vom Marketing machen. Und zwar hinterher…

3 thoughts to “Windows 8: Der neue Windows Explorer”

  1. Danke für den Artikel, hatte noch nicht die Möglichkeit Windows 8 live auszuprobieren. Der Explorer sieht „interessant“ aus, allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass da bis zur finalen Veröffentlichung noch etwas am Feinschliff gearbeitet wird.

    Den Kontextmenü-Ersatz in der Titelleiste wird wohl damit zusammenhängen, dass Windows 8 auch auf Geräten ohne Maus bzw. Tastatur voll funktionsfähig ist.

    Gruß, Valentin

    1. Das kann schon sein. Generell sind Kontextmenüs doch aber auch auf Touch-Displays recht verbreitet. Länger draufhalten oder sowas. Und selbst wenn man sich für eine Symbollösung entscheidet – warum in der Fensterdekoration, statt in der Symbolleiste?

      Zudem ist gerade der Windows Explorer noch absolut auf Maussteuerung ausgelegt. Ich denke, dass das auch zu sehen ist: Schaltflächen und Symbole sind teilweise äußerst klein, da wird Klicken mit dem Finger zum reinen Glücksspiel.

      Da Dateiverwaltung nicht in Metro funktioniert, denke ich, dass Microsoft sie vor dem normalen Nutzer und dem Toucher verstecken will. Das finde ich auch gar nicht so falsch. Grundlegend ist mir ja egal wo meine Fotos liegen, solange die zugehörigen Programme es wissen.

  2. In Windows Explorer 8 habe ich ein Block, der mit folgende Information zeigt: „x Element“, z.B. 1 Element, wenn in Directory nur 1 File ist.
    FRAGE:
    wie kann ich diese Information unterdrücken?
    Grund:
    sie frisst mir ca. 30% vom Bildschirm und ich kann die vertikale „Grenzlinie“ nicht mehr nach rechts verschieben.

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