Der Kampf gegen das generische Maskulinum

Liebe Leserinnen und Leser,

das generische Maskulinum hat es in diesen Tagen nicht leicht. Viele Gesellschaftsschichten, nicht zuletzt der Staat selbst, fordern „geschlechtergerecht zu formulieren“. So werden aus Bürgern Bürgerinnen und Bürger, aus Autofahrern Autofahrende und aus Arbeitnehmer ArbeitnehmerInnen. Solche Lösungen sind bestenfalls umständlich, oft auch falsch oder typografische Zumutungen. Studierende und Studenten sind zwei verschiedene Dinge. Doch neben allen Streitigkeiten: Führt das neue Deutsch zu einer gleichberechtigteren Gesellschaft?

Der Google-Versuch

Mein kleines Experiment ist schnell erklärt: 18 Menschengruppen werden in zwei verschiedenen Schreibweisen auf Google-Treffer überprüft. Der normale Plural/die böse Machoform und die weibliche Pluralform werden gegenübergestellt und letzteres durch ersteres geteilt. Das ergibt ein Verhältnis, wie oft die weibliche im Vergleich zur allgemeinen Form auftritt. Das ganze ist nicht repräsentativ, statistisch belastbar oder sonst irgendwas. Es ist lediglich interessant.

Das Ergebnis

Google.de lieferte am 14.7.2012 die folgenden geschätzten Trefferzahlen, wenn die entsprechenden Begriffe in Anführungszeichen gesucht wurden:

Plural Anzahl Plural weibl. Anzahl /
kindergärtner 261.000 kindergärtnerinnen 296.000 1,134
schüler 71.100.000 schülerinnen 12.500.000 0,176
eltern 92.800.000 mütter 15.100.000 0,163
bürger 48.300.000 bürgerinnen 6.350.000 0,131
bauarbeiter 2.300.000 bauarbeiterinnen 233.000 0,101
arbeitnehmer 18.100.000 arbeitnehmerinnen 1.190.000 0,066
studenten 62.300.000 studentinnen 3.270.000 0,052
päpste 693.000 päpstinnen 19.800 0,029
steuerhinterzieher 286.000 steuerhinterzieherinnen 6.450 0,023
mörder 2.130.000 mörderinnen 43.200 0,020
ärzte 84.300.000 ärztinnen 1.580.000 0,019
schwarzfahrer 671.000 schwarzfahrerinnen 9.110 0,014
präsidenten 13.800.000 präsidentinnen 174.000 0,013
alkoholiker 1.910.000 alkoholikerinnen 11.300 0,006
politiker 49.900.000 politikerinnen 182.000 0,004
arbeitgeber 42.300.000 arbeitgeberinnen 106.000 0,003
informatiker 32.100.000 informatikerinnen 66.100 0,002
raubkopierer 547.000 raubkopiererinnen 1.030 0,002

Mehr Päpstinnen als Schwarzfahrerinnen

Mich überrascht das Ergebnis wenig. Die explizit weibliche Pluralform wird gern genommen, um Frauen direkt anzusprechen und mitzureißen. Es ist eine Form der Werbung, die man vor allem bei Politikern (Bürgerinnen und Bürger, Genossinnen und Genossen) andauernd hört.

Einer der wesentlichen Gründe gegen das generische Maskulinum ist die vermeintliche Missverständlichkeit. So könne das Wort Studenten bedeuten, dass nur männliche Vertreter gemeint seien. Dieser Argumentation folgend, werden Männer bei negativ geprägten Begriffen stark benachteiligt. Jede dieser noch zurückhaltend gewählten Gruppen mit schlechtem Ansehen kommt auf einen geringeren Frauenanteil als die lange Reihe der Päpste. Einen wirklichen Schritt in Richtung sprachliche Gleichberechtigung kann ich somit nicht erkennen.

4 thoughts to “Der Kampf gegen das generische Maskulinum”

  1. Interessant. Jedoch muss ich die Auswahl der Begriffe Eltern/Mütter kritisieren. „Eltern“ ist meiner Meinung nach kein generisches Maskulinum. „Eltern“ ist bereits ein spezieller Plural, und hat weder Singular (höchstens Elternteil) noch Geschlecht, oder?

    Im allgemeinen verstehe ich aber echt nicht, warum es nicht politisch korrekt sein soll, das generische Maskulinum zu verwenden. Lustiger Weise stören sich daran sowieso nur Politiker und Feministen, hab ich so den Eindruck.

    1. Du hast natürlich Recht, Eltern/Mütter passt nicht wirklich in die Liste. Elter ist zwar angeblich auf dem Vormarsch, wird dann in aller Regel aber auch sächlich genutzt.

      Die politische Unkorrektheit fußt auf der Annahme, dass Genus und Sexus direkt verbunden seien. Es sei kein Zufall, dass es der Vater und die Mutter heiße. Das mag bei der Bildung der Sprache auch als Orientierung gedient haben, ist aber Blödsinn, wie das Mädchen, die Person oder der Mensch zeigen…

  2. Um das bei Google mal in die Höhe zu treiben, hier noch ein paar interessante Bildungen:
    Kinderschänderinnen, Vergewaltigerinnen, Bankräuberinnen, Polizistenmörderinnen, Mafiabossinnen, Drogendealerinnen, Terroristinnen, Amokläuferinnen.

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